Nahostkonflikt prägt Wirtschaftsausblick
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Die letzten Wochen wurden durch den Konflikt im Nahen Osten geprägt. Der Transport durch die Strasse von Hormus – durch die 20 Prozent des weltweiten Erdöls transportiert werden – kam im März zum Erliegen. Dies führte zu einem markanten Anstieg der Öl- und Gaspreise. Der Ausblick für die globale und damit auch für die Schweizer Wirtschaft hängt nun davon ab, wie stark und wie lange die Ölpreise erhöht bleiben – und folglich auch von der Dauer des Konflikts.
Chancen für Schweizer Industrie intakt, wenn sich Ölpreis normalisiert
Ein anhaltend hoher Ölpreis würde die Chancen von Präsident Trumps Republikaner auf einen Wahlsieg bei den US-Zwischenwahlen im Herbst schmälern. Höhere Ölpreise führen zu steigenden Benzinpreisen, was die Sorgen der US-Wähler über hohe Lebenshaltungskosten intensivieren würde. Donald Trump hat somit ein klares Interesse daran, den Konflikt kurz zu halten und die Energiepreise zu stabilisieren. Der Waffenstillstand, den Trump am 7. April mit dem Iran geschlossen hat, deutet in diese Richtung.
Sollte der Konflikt in den kommenden Wochen abklingen und der Öltransport durch die Strasse von Hormus wieder aufgenommen werden, dürften sich die Erdölpreise beruhigen. Der Schaden für die globale Wirtschaft wäre damit überschaubar, die Konjunktur in den USA weiterhin solide und eine Erholung der deutschen und europäischen Konjunktur 2026 immer noch möglich. Die Schweizer Industrie könnte in der zweiten Jahreshälfte und vor allem im Jahr 2027 von der verbesserten Konjunktur in der Eurozone profitieren. Einen leichten Schaden dürfte die globale Wirtschaft und damit auch die Schweizer Wirtschaft aber trotzdem davontragen. Wir rechnen damit, dass die Schweizer Wirtschaft 2026 bereinigt um Sportevent-Effekte um 0,7 Prozent wächst und 2027 um 1,4 Prozent. Vor dem Konflikt im Nahen Osten prognostizierten wir ein Wachstum von 0,9 Prozent für dieses Jahr und 1,5 Prozent für das nächste.
Längerfristig hohe Ölpreise eine erhebliche Belastung
Ein andauernder Konflikt würde die Schweizer Wirtschaft aber erheblich belasten. Sollte sich der Konflikt im Nahen Osten über mehrere Monate hinziehen und die Energiepreise entsprechend hoch bleiben oder gar ein Energiemangel mancherorts auftreten, könnte dies weltweit zu einer Beschleunigung der Inflation führen und die Realeinkommen der Konsumenten belasten sowie die Lieferketten unter Druck setzen. In einem solchen Szenario wäre der erhoffte Aufschwung in der Eurozone gefährdet und damit auch der Ausblick für Schweizer Industrie. Der Schweizer Konsum dürfte von höheren Ölpreisen nur geringfügig belastet werden; Energie macht nur 5 Prozent der Schweizer Konsumausgaben aus – in der EU beispielsweise ist der Anteil doppelt so hoch. Allerdings dürfte der Konsum alleine dann nicht mehr in der Lage sein, die Schweizer Konjunktur zu stützen, sodass sich das Wachstum hierzulande deutlich abschwächen würde.

SNB-Zinsen weiterhin bei 0 Prozent
Bei einer Normalisierung der Ölpreise rechnen wir mit einem unveränderten Leitzins der Schweizerischen Nationalbank (SNB) von 0 Prozent in den nächsten Quartalen. Selbst im Falle dauerhaft hoher Energiepreise sehen wir die Hürde für eine Zinserhöhung als hoch an. Erstens ist es unwahrscheinlich, dass die Inflation das SNB-Ziel von 2 Prozent überschreitet. Wir rechnen 2026 mit einer Inflationsrate in der Schweiz von lediglich 0,6 Prozent. Zweitens würden sich die Wachstumsaussichten merklich eintrüben, was gegen eine Straffung der Geldpolitik sprechen würde.
Keine weitere Euro-Schwäche
Infolge der Eskalation im Nahen Osten wertete der Franken gegenüber dem Euro auf und der EURCHF-Wechselkurs fiel im März erstmals seit 2015 unter die 0,90-Marke. Dies veranlasste die SNB, ihre Bereitschaft zu Fremdwährungskäufen zu unterstreichen, sollte der Franken zu stark zulegen. Seitdem hat sich der EURCHF-Wechselkurs stabilisiert, weil der Markt darüber spekuliert, dass die Europäische Zentralbank in den kommenden Monaten die Leitzinsen anheben könnte, um die Inflation zu bekämpfen. Sollte sich die europäische Wirtschaft in den kommenden Quartalen erholen, dürfte dies dem Euro in der zweiten Jahreshälfte Auftrieb verleihen und EURCHF wieder auf 0,93 steigen lassen.
Sollte der Konflikt allerdings anhalten und sich die Energieversorgung weiter verschärfen, dürften eine Erholung der deutschen Wirtschaft ausbleiben und Rezessionssorgen aufkommen. In einem solchen Szenario würde der Franken gegenüber dem Euro aufwerten. Zwar glauben wir, dass die SNB dann zu Devisenkäufen greifen würde, was die Aufwertung des Frankens verlangsamen, aber kaum verhindern dürfte. In einem solchen Risikoszenario sehen wir EURCHF bei 0,86.
US-Dollar profitiert von höheren Energiepreisen
Mit der Eskalation im Nahen Osten konnte der US-Dollar gegenüber dem Franken zulegen. Die USA sind Nettoexporteur von Energie, was dem US-Dollar zugutekam. Mit der erwarteten Entspannung der Energiesituation dürfte sich die Aufwertung des US-Dollars nicht fortsetzen. Wir rechnen für USDCHF auf Sicht von zwölf Monaten mit einer Seitwärtsbewegung um 0,78. Weniger eindeutig wären die Folgen eines anhaltenden Konflikts auf USDCHF-Wechselkurs. Kurzfristig würde der US-Dollar aufgrund der geringeren Energieabhängigkeit wohl weiter zur Stärke neigen. Anhaltend höhere Energiepreise würden dann aber das US-Wirtschaftswachstum dämpfen. In einem extremeren Szenario könnten die Rezessionsrisiken deutlich steigen, worauf die US-Notenbank Fed voraussichtlich rasch mit Zinssenkungen reagieren würde. In diesem Risikoszenario halten wir einen markanten Rückgang des USDCHF-Wechselkurses von unter 0,70 für möglich.

Alessandro Bee arbeitet seit 2016 für das Chief Investment Office (CIO) der UBS und ist dort für die Prognosen zur Schweizer Wirtschaft und zur Geldpolitik der Nationalbank verantwortlich.