Der Mensch im Mittelpunkt
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- 77% der erwerbstätigen Schweizer nutzen KI im Beruf (Welt: 58%), doch kaum die Hälfte hat je eine spezifische Schulung erhalten (KPMG)
- KMU mit KI-Integration: Anstieg von 22% (2024) auf 34% (2025), doch erst ein Drittel hat klare Datenschutzregeln (AXA)
- Wer KI als Werkzeug versteht und den Menschen kontinuierlich miteinbezieht, macht ihn zum entscheidenden Hebel der Leistungsfähigkeit
Zwischen Fortschritt und Fehlgriff
«Mit KI wird alles besser und schneller», heisst es gerne. Doch ist das wirklich so? Die Antwort lautet: Jein. Der Einsatz von KI kann entlasten – oder Quell allen Übels sein, wenn man sie falsch versteht. Ombudsstellen beispielsweise mussten laut Tagesanzeiger neues Personal einstellen, weil «KI-Eingaben falsches Recht zitieren», im selben Artikel ist von Mehraufwand wegen E-Mail-Korrekturen die Rede. Gleichzeitig berichten verschiedene Unternehmen von Produktivitätsgewinnen und Effizienzsteigerungen. Worauf also kommt es an? Die Antwort ist so simpel wie anspruchsvoll in der Umsetzung: Wer den Menschen bewusst in Veränderungen miteinbezieht, wandelt ihn von der Schwachstelle zum Hebel der Leistungsfähigkeit. Wie das gehen kann, zeigen zwei Praxisbeispiele.
Der Doppelblick der Swisscom
Swisscom verkauft KI-Lösungen und kauft sie gleichzeitig ein. Dieser Doppelblick zahlt sich aus: Eigene KI-Spezialisten helfen, technologische Angebote fundierter zu bewerten und Partnerschaften auf Augenhöhe zu gestalten. Im Tagesgeschäft unterstützt KI bei Marktanalysen, Vertragsprüfung und dem Vergleich von Offerten. Dadurch gestalten sich Lieferantenbewertungen objektiver und Verhandlungen werden gezielter vorbereitet. Doch die Grenze ist klar: «Für die Vertrauensbildung ist der persönliche Kontakt noch immer elementar wichtig. Er kann nicht ersetzt werden», sagt Marc Dolder, Head Business Services & Excellence bei der Swisscom. Was digital gut funktioniere, sei das Management der Geschäftsbeziehungen – so entstehe «eine Kombination aus digitaler Transparenz und menschlichem Vertrauen».
Schweizerische Post setzt auf Dreiklang
Bei der Post zeigt KI dort den grössten Impact, «wo viele Daten im Spiel sind»: Preisanalysen, Lieferantensuche, Risikoanalysen, Rechnungsprüfung, Vertragsmanagement. Dass KI manuelle Aufgaben in der Zukunft um bis zu 70 Prozent reduzieren könnte, ist für Schaffner keine Bedrohung: «Die KI entlastet im Alltag und schafft damit Raum für noch wertschöpfendere Tätigkeiten.» Den Wandel mit den Mitarbeitenden zu gestalten, sei die eigentliche Führungsaufgabe – generationenübergreifend, mit dem Dreiklang Befähigung, Begleitung und gemeinsames Lernen. Schaffner fasst zusammen: «Fortschritt ist digital, Kommunikation und strategische Verhandlungsführung bleiben menschlich geprägt.»
Quellen:
AXA Schweiz. (2025, 23. Juli). AXA KMU-Arbeitsmarktstudie: Konkurrenzkampf mit Staat und Grossunternehmen um Fachkräfte. AXA. https://www.axa.ch/de/ueber-axa/medien/medienmitteilungen/aktuelle-medienmitteilungen/2025/20250723-kmu-arbeitsmarktstudie-2025.html
Keystone-SDA. (2025, 30. April). AI employed by 77% of Swiss workers – often breaking company rules. SWI swissinfo.ch. https://www.swissinfo.ch/eng/archive-science/77-use-ai-at-work-many-against-company-guidelines/89242483
Klarer, D. (2025, 3. Dezember). Die künstliche Intelligenz am Verhandlungstisch. procure.ch. https://www.procure.ch/magazin/artikel/die-kuenstliche-intelligenz-am-verhandlungstisch
Muanza, A. (2025, 5. Mai). Schweizer Angestellte greifen zunehmend zur KI – und scheren sich wenig um Richtlinien. Netzwoche. https://www.netzwoche.ch/news/2025-05-05/schweizer-angestellte-greifen-zunehmend-zur-ki-und-scheren-sich-wenig-um
Hollenstein, E.; Bollinger, J. (2026, 26. Mai). KI verursacht Mehraufwand in Schweizer Büros. Tages-Anzeiger. https://www.tagesanzeiger.ch/ki-verursacht-mehraufwand-in-schweizer-bueros-758702035559 (Paywall)

Désirée Klarer ist freie Journalistin aus Zürich und schreibt gerne über Themen, die bewegen, und interviewt dazu jene, die etwas zu sagen haben. Wie das geht, hat sie im Bachelorstudium Journalismus und Organisationskommunikation an der ZHAW gelernt. Später hat Désirée an der HSLU einen Master in digitalem Marketing absolviert.