Wenn die Maschine mit der Maschine verhandelt

Wenn die Maschine mit der Maschine verhandelt

Publiziert am

Foto von: https://pixabay.com/photos/robot-cyborg-futuristic-android-3310194/

Künstliche Intelligenz ist im Einkauf angekommen, nicht als Versprechen, sondern im Tagesgeschäft.Im HUBER Business AI Podcast spricht Andy Huber mit Andreas Kyburz, Geschäftsführervon procure.ch, über das, was zwischen Hype und Wirklichkeit zählt.

Wann hast du heute schon mit KI gearbeitet?» Mit dieser Frage beginnt jede Folge des HUBER Business AI Podcast. Sie zwingt zur Konkretion: welches Tool, welche Aufgabe, welcher Effekt. Der Anspruch ist, einzuordnen, statt zu beeindrucken – Praxis und ehrliche Erfahrungswerte aus Schweizer Unternehmen statt
Heilsversprechen. In der aktuellen Folge ist Andreas Kyburz zu Gast, der sich seit seiner Dissertation mit dem Stellenwert des Einkaufs befasst. Ein Gespräch, das zeigt, wo ein traditionsreicher Fachverband – und damit die ganze Branche – im Umgang mit KI heute steht.


Stammdaten als unterschätzte Grundlage

Sein technischer Kernsatz: «Wer mit einer schlechten Datenbasis hineingeht, bekommt eine schlechte Datenbasis heraus.» KI verkleinert dieses Problem nicht, sie vergrössert es. Für die Schweiz heisst das: Unternehmen, die ihre Stammdaten seit Jahren pflegen, haben jetzt einen echten Vorsprung – die anderen
holen unter Zeitdruck auf.

Strategie als bewegliches Ziel

Wie geht ein Fachverband selbst mit KI um? Auf der Geschäftsstelle von procure.ch – zwölf Personen am Standort, rund 250 Mitarbeitende im weiteren Netzwerk – ist man bewusst im Vortasten. Eine Mitarbeitenden-
Umfrage klärte zuerst den tatsächlichen Bedarf, daraus folgte die Tool-Entscheidung; Per Sommer steht Microsoft Copilot allen zur Verfügung. «Wir erlauben uns auch, zu korrigieren», sagt Kyburz. Eine Strategie, die in einem Umfeld monatlicher Veränderungen trägt, ist weniger ein starrer Plan als geübte Beweglichkeit.


Future Skills statt Stellenangst


Repetitive Bestellabwicklung erfährt Entlastung. Was zunimmt, ist das Gegenteil von Routine: Interpretation, Risikoabschätzung, Verfügbarkeitssicherung. Was KI nicht ersetzt, ist das Ermessen – wer nicht weiss, dass sieben plus drei zehn ergibt, kann einen KI-Vorschlag nicht beurteilen. Die Folge ist eine Verlagerung, kein Verschwinden: Der Einkauf rückt näher an die strategische Ebene.

Gratis hat seinen Preis

Bei einem Punkt sind sich beide sofort einig: Im geschäftlichen Einsatz hat eine Gratis-Lizenz nichts verloren. «Alles, was gratis ist, dein Gegenwert sind deine Daten», bringt Huber es auf den Punkt. Auch bei Bezahlversionen wandern Inhalte auf Server weltweit; das Schweizer Datenschutzgesetz gilt unverändert. Kyburz' Faustregel ist pragmatisch: eigene und neutrale Inhalte unbedenklich, bei grossen Mengen personenbezogener Daten Vorsicht. Eine klare Datenschutzregelung, die KI explizit einschliesst, schafft die Sicherheit, ohne die Akzeptanz nicht entsteht.


Mut zum Abwarten – und dranbleiben


Kyburz widerspricht dem Reflex, «jetzt etwas mit KI machen zu müssen». Sein Rat: mutig ausprobieren, aber dort abwarten, wo es nötig ist. Verweigerung funktioniert nicht – jedes Unternehmen hat einen versteckten Einkauf. Entscheidend ist am Ende die Kultur: Eine Technologie einzuführen heisst noch nicht, dass die Menschen sie tragen. •

Andy Huber

Andy Huber, Senior AI Advisor bei AKI Solutions, einem Schweizer Unternehmen für KI-Beratung und Automatisierung im Business, und Gastgeber des HUBER Business AI Podcast für Entscheiderinnen und
Entscheider. Als Dozent an der HWZ Zürich doziert er zu KI, Digital Sales und E-Commerce. Über 25 Jahre
B2B-Führungserfahrung prägen seinen pragmatischen Blick auf die Praxis in Schweizer Unternehmen.

andy.huber@aki-solutions.ch